73 Kommunen warnen vor Kollaps: 32 Milliarden Euro fehlen jährlich für marode Infrastruktur
Tobias Neumann73 Kommunen warnen vor Kollaps: 32 Milliarden Euro fehlen jährlich für marode Infrastruktur
Ein Bündnis aus 73 deutschen Kommunen hat die Bundes- und Landesregierungen aufgefordert, die massive Unterfinanzierung der lokalen Behörden endlich anzugehen. In einem offenen Brief an den Bundeskanzler warnten führende Vertreter, dass marode Infrastruktur und schrumpfende Haushalte die Städte an den Rand des Kollapses treiben. Die Gruppe, die rund 10 Millionen Menschen vertritt, fordert dringend finanzielle Entlastung in Höhe von knapp 32 Milliarden Euro pro Jahr.
Das unter dem Namen "Für die Würde unserer Städte" zusammengeschlossene Bündnis umfasst acht Bundesländer und schließt Großstädte wie Mainz ein. Seine Mitglieder beschreiben eine sich verschärfende Krise: Schlaglöcher, die nicht mehr repariert werden, Schulen mit defekten Toiletten, die Schüler zwingen, auf Sanitäranlagen zu Hause auszuweichen, und öffentliche Dienstleistungen, die bis an ihre Grenzen belastet sind. Viele Kommunen kämpfen zudem mit wirtschaftlichem Niedergang, sinkenden Steuereinnahmen und steigenden Sozialausgaben.
Die geforderten 32 Milliarden Euro entsprechen nahezu dem Rekorddefizit von 31,9 Milliarden Euro in den Haushalten der kommunalen Gebietskörperschaften im vergangenen Jahr, wie das Statistische Bundesamt vermeldete. Der Brief stellt einen direkten Zusammenhang zwischen finanzieller Not und sozialer Destabilisierung her und warnt, dass Haushaltskürzungen die Unterstützung für populistische und extremistische Parteien weiter anheizen könnten. Ein prägnanter Satz fasst ihre Lage zusammen: "Jeden Tag verlieren wir ein weiteres Stück unserer Handlungsfähigkeit."
Lokale Verantwortungsträger argumentieren, dass jahrelange strukturelle Unterfinanzierung sie daran hindert, grundlegende Dienstleistungen aufrechtzuerhalten. Ohne sofortiges Eingreifen, so ihre Warnung, werde sich die Situation weiter verschärfen – mit gravierenden Folgen für Millionen Bürger.
Der Appell setzt die Politik unter Zugzwang, die wachsende Finanzlücke zu schließen. Würde die geforderte Summe von 32 Milliarden Euro bewilligt, könnten Städte Infrastruktur reparieren, öffentliche Dienstleistungen wiederherstellen und soziale Spannungen abbauen. Die Warnung des Bündnisses rückt nun Berlin in den Fokus, wo über Reformen der Kommunalfinanzierung entschieden wird – und damit über die Frage, ob sich die lokalen Haushalte erholen können.






