14 March 2026, 18:24

Apothekensterben und Reformstreit: Was das neue ApoVWG für Patienten bedeutet

Ein Plakat mit Text ├╝ber Arzneimittelpreisunterschiede im Jahr 2022, mit ein paar Flaschen und einer Spritze unten.

Apothekensterben und Reformstreit: Was das neue ApoVWG für Patienten bedeutet

Gesundheitsausschuss debattiert heute über das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG)

Das geplante Gesetz soll langjährige Herausforderungen im Apothekensektor angehen – darunter sinkende Apothekenzahlen und finanzielle Belastungen. Branchenvertreter haben bereits deutliche, aber gespaltene Positionen zu den zentralen Maßnahmen bezogen.

Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist von etwa 21.500 im Jahr 2010 auf voraussichtlich rund 19.000 bis 2025 gesunken. Besonders betroffen sind ländliche Regionen und ostdeutsche Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo die meisten Schließungen zu verzeichnen sind. Demografischer Wandel und wirtschaftliche Engpässe zwingen viele Apotheken zur Aufgabe.

Thomas Preis, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA), wies auf diesen Rückgang hin und forderte dringende Reformen. Er unterstützte zudem Pläne, die feste Apothekengebühr über eine begleitende Verordnung anzuheben. Markus Grunenberg vom GKV-Spitzenverband warnte jedoch, dass eine solche Maßnahme die Steuerzahler zusätzlich eine Milliarde Euro kosten würde.

Preis lehnte außerdem Vorhaben ab, die berufliche Standards schwächen könnten – etwa die Zulassung von Apotheken ohne approbierte Apotheker oder vor-Ort-Labore. Solche Ideen bezeichnete er als gefährliche "Deprofessionalisierung" des Sektors. Anja Zierath vom BVpta teilte die Bedenken hinsichtlich sinkender Qualifikationsanforderungen und bestand darauf, dass jede Apothekenvertretung strukturierte Zusatzausbildungen vorsehen müsse.

Weitere Branchenvertreter brachten konkrete Forderungen ein: Bork Bretthauer von Pro Generika lobte die stabile Versorgung mit Biosimilars, forderte aber ein Verbot von Exklusivverträgen. Dr. Stefan Hartmann vom BVDAK plädierte für eine andere Herangehensweise bei der Regulierung der Erstattung für Rezepturarzneimittel. Thomas Porstner vom Phagro-Großhandelsverband verlangte strengere Kontrollen von Logistikdienstleistern, um eine sachgerechte Lagerung und den Transport von Medikamenten zu gewährleisten.

Ulrich Langenberg von der Bundesärztekammer (BÄK) positionierte sich klar gegen einen Vorschlag: den rezeptfreien Verkauf verschreibungspflichtiger Medikamente. Seine Ablehnung verschärft die Debatte darüber, wie weit die Deregulierung gehen soll.

Die Beratungen des Gesundheitsausschusses werden die Zukunft des Apothekennetzes in Deutschland prägen. Entscheidungen zu Gebühren, Qualifikationen und Lieferkettenregeln könnten den Zugang zu Medikamenten – vor allem in unterversorgten Regionen – direkt beeinflussen. Das Ergebnis wird auch zeigen, ob sich die finanzielle Lage der Apotheken entspannt – oder weiter verschärft.

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