ARD und ZDF vernachlässigen wirtschaftliche Themen in Talkshows – Studie enthüllt dramatischen Rückgang
Tobias NeumannARD und ZDF vernachlässigen wirtschaftliche Themen in Talkshows – Studie enthüllt dramatischen Rückgang
Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF geraten wegen der zurückgehenden wirtschaftlichen Berichterstattung in ihren Talkshows in die Kritik. Eine neue Analyse der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zeigt, dass wirtschaftliche Themen von 33 Prozent der Sendungen im Jahr 2023 auf nur noch 20 Prozent im Jahr 2025 gesunken sind. Die Studie bemängelt zudem eine unzureichende Vertretung der Wirtschaft in den Diskussionen.
Die INSM untersuchte 284 Folgen aus fünf großen Talkformaten: Markus Lanz, Caren Miosga, Maybrit Illner, hart aber fair und Maischberger. Die Gästelisten waren stark von Politikern (41 Prozent), Journalisten (27 Prozent) und Ökonomen (14 Prozent) geprägt. Unternehmer waren lediglich mit 5 Prozent vertreten, Vertreter von Wirtschaftsverbänden machten sogar nur 2 Prozent aus.
Besonders auffällig: hart aber fair widmete 39 Prozent seiner Sendungen wirtschaftlichen Themen – und bezog dabei stets Stimmen aus der Wirtschaft ein. Dagegen bot Maischberger die geringste wirtschaftliche Perspektive: In 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Folgen fehlte jeder unternehmerische Input. Insgesamt verzichteten 32 Prozent aller Sendungen mit wirtschaftlichem Schwerpunkt komplett auf Gäste aus der Wirtschaft.
INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben kritisierte, die Sender vernachlässigten in einer Phase des wirtschaftlichen Abschwungs gezielt wirtschaftliche Blickwinkel. ARD und ZDF kämen damit ihrer öffentlich-rechtlichen Pflicht zu ausgewogener Berichterstattung nicht nach, indem sie Unternehmer ausschlössen. Alsleben forderte eine stärkere Einbindung von Unternehmern und Branchenexperten, um die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen besser abzubilden.
Der INSM-Bericht belegt einen deutlichen Rückgang wirtschaftlicher Debatten in den großen Talkformaten innerhalb von zwei Jahren. Da wirtschaftliche Stimmen oft fehlen, deutet die Analyse auf eine Lücke bei der Darstellung wirtschaftlicher Realitäten hin. Die Sender haben sich zu der Kritik bisher nicht geäußert.






