Asylanträge sinken – doch nicht wegen der deutschen Grenzkontrollen
Philipp FischerAsylanträge sinken – doch nicht wegen der deutschen Grenzkontrollen
Asylanträge in Deutschland gehen stark zurück – Experte sieht Ursache vor allem in Syrien
Die Zahl der Asylanträge in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Der Migrationsforscher Gerald Knaus führt diesen Rückgang vor allem auf die veränderten Bedingungen in Syrien zurück – und nicht auf die jüngste Politik Berlins. Gleichzeitig kritisiert er die umstrittene Praxis der Zurückweisungen an den Binnengrenzen, die die Bundesregierung seit Mai 2025 anwendet.
Seitdem setzt Deutschland an den Grenzen zu Österreich, Polen und der Schweiz auf sogenannte Pushbacks – ein Konzept, das ursprünglich 2015 von der rechtspopulistischen AfD vorgeschlagen wurde und nun offizielle Regierungspolitik ist. Doch Knaus zweifelt an der Wirksamkeit dieser Maßnahme: Die Zahl der Ankünfte sei dadurch kaum gesunken.
Stattdessen liege der Hauptgrund für den Rückgang der Anträge in der Entwicklung in Syrien. Noch 2024 hatten Deutschland und Österreich zusammen 80 Prozent aller syrischen Schutzberechtigten in der EU aufgenommen. Jetzt verzeichnen beide Länder die stärksten Rückgänge bei neuen Asylgesuchen.
Der Forscher warnt zudem, dass die Pushbacks gegen EU-Recht verstoßen und auf Dauer nicht haltbar seien. Unklar sei, ob die Praxis rechtlichen Prüfungen standhalte oder politischen Veränderungen widerstehe.
Zwar sinken die Asylzahlen in Deutschland, doch Knaus führt dies weniger auf Grenzkontrollen als auf die Lage in Syrien zurück. Die Pushback-Strategie bleibt rechtlich umstritten und aus Sicht von Kritikern kaum nachhaltig. Ihr weiteres Schicksal hängt von Gerichtsurteilen und der künftigen Haltung der Regierung ab.






