Deutsche Wirtschaft bremst: Wachstumsprognose für 2026 halbiert sich auf 0,6 %
Philipp FischerDeutsche Wirtschaft bremst: Wachstumsprognose für 2026 halbiert sich auf 0,6 %
Die konjunkturellen Aussichten Deutschlands haben sich eingetrübt, da steigende Energiekosten das Wachstum belasten. Sechs führende Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland und Österreich haben ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2026 drastisch von 1,3 % auf nur noch 0,6 % gesenkt. Die deutliche Korrektur folgt auf einen starken Anstieg der Strom- und Heizkosten, der mit dem Iran-Konflikt in Verbindung steht.
Die Institute erwarten nun, dass die deutsche Wirtschaft 2027 um 0,9 % wachsen wird – gegenüber einer früheren Schätzung von 1,4 %. Auch die Inflation wird höher ausfallen als angenommen: Die Verbraucherpreise sollen 2026 um 2,8 % und 2027 um 2,9 % steigen. Der Energiekostenschock allein dämpft das jährliche BIP-Wachstum voraussichtlich um 0,3 Prozentpunkte.
Seit der Eskalation des Iran-Konflikts sind die Stromkosten für Neukunden um etwa 16 % gestiegen. Der günstigste Tarif kletterte von 24,2 Cent pro Kilowattstunde im Februar auf 28 Cent im April. Auch die Heizölpreise schnellen in die Höhe und liegen bei Großabnehmern bei rund 145 Euro pro 100 Liter – ein Niveau, das zuletzt während der Energiekrise 2022 erreicht wurde.
Die Ökonomen warnen vor kurzfristigen staatlichen Eingriffen zur Deckelung der Energiepreise. Stattdessen empfehlen sie gezielte Sozialmaßnahmen, um einkommensschwache Haushalte zu entlasten. Timo Wollmershäuser vom Münchner ifo Institut betonte, dass die staatlichen Ausgaben derzeit die Binnennachfrage stützen – trotz des Energiekostenschocks.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche fordert mutige Reformen, um die geschwächten Wachstumsperspektiven anzugehen. Die eigenen Wirtschaftsprognosen der Bundesregierung, die auf dieser Vorhersage basieren, werden am 22. April veröffentlicht.
Die überarbeiteten Prognosen unterstreichen die Belastung der deutschen Wirtschaft durch die explodierenden Energiekosten. Angesichts steigender Inflation und nachlassenden Wachstums stehen die politischen Entscheidungsträger vor der Herausforderung, Haushalte zu unterstützen, ohne die Marktpreise zu verzerren. Die anstehenden Regierungsprognosen werden weitere Klarheit über den wirtschaftlichen Weg nach vorn bringen.






