Deutschland fordert EU-weite Altersprüfungen für soziale Medien – und ein Nutzungsverbot für Unter-14-Jährige
Lotta BrandtDeutschland fordert EU-weite Altersprüfungen für soziale Medien – und ein Nutzungsverbot für Unter-14-Jährige
Die deutsche Bundesregierung drängt auf strengere Jugendschutzmaßnahmen in sozialen Medien in der gesamten EU. Da viele große Plattformen ihren Sitz in Irland haben, wächst der Druck auf Brüssel, aktiv zu werden. Der Vorstoß erfolgt zu einer Zeit, in der Bundesländer wie Niedersachsen ein Nutzungsverbot für Kinder unter 14 Jahren fordern, während Minister bessere Altersüberprüfungen und Schutzmechanismen einfordern.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies warnte, dass junge Nutzer:innen schutzlos den süchtig machenden Algorithmen sozialer Medien ausgesetzt seien. Er betonte die Notwendigkeit stärkerer Schutzvorkehrungen und bezeichnete die bisherigen Maßnahmen als unzureichend. Lies argumentierte, dass Minderjährige sich nicht gegen KI-gestützte Empfehlungen wehren könnten, die darauf ausgelegt seien, die Nutzungsdauer zu maximieren.
Europaministerin Melanie Walter schlug ein europaweites Altersverifikationssystem vor, das auf der EU-Digitalen Identität (EUDI) basiert. Der Plan sieht vor, dass Plattformen das Alter ihrer Nutzer:innen überprüfen müssen – und zwar unter Einhaltung der Datenschutzbestimmungen. Walters Vorschlag steht im Einklang mit den umfassenderen Bemühungen der EU, strengere Kontrollen durchzusetzen.
Die Bundesregierung fordert verbindliche Altersprüfungen für alle Nutzer:innen sozialer Medien in Europa. Niedersachsen geht noch einen Schritt weiter und strebt ein vollständiges Nutzungsverbot für Kinder unter 14 Jahren an. Zudem sollen Plattformen sicherstellen, dass unter 16-Jährige nur altersgerechte Inhalte sehen – ohne süchtig machende Algorithmen oder personalisierte Empfehlungen.
International lehnen Sozialmedia-Unternehmen strenge Altersbeschränkungen in der EU, Großbritannien, Frankreich und Kanada ab. Sie verweisen auf praktische und datenschutzrechtliche Bedenken. Dennoch haben viele Konzerne bestehende Gesetze wie den EU Digital Services Act (DSA) umgesetzt, etwa durch verbesserte Altersverifikationen. Beispiele sind die dänische Regelung, wonach Eltern ihre Zustimmung für 13-Jährige geben müssen, oder EU-Vorschläge für Jugendversionen von Plattformen ohne suchtfördernde Algorithmen. Großbritannien hat eine Frist bis April 2026 für detaillierte Altersprüfungspläne gesetzt, während Kanadas Reaktion noch unklar bleibt.
Die Debatte über den Jugendschutz in sozialen Medien wird in Deutschland und Europa immer hitziger. Sollten strengere Alterskontrollen und Algorithmus-Beschränkungen eingeführt werden, würde dies die Art und Weise, wie Minderjährige Plattformen nutzen, grundlegend verändern. Der Ausgang hängt von den EU-Verhandlungen ab – und davon, ob sich die Mitgliedstaaten auf einheitliche Regeln einigen können.






