Deutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Sanktionen
Lotta BrandtDeutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Sanktionen
Deutschland verpasst EU-Frist für strengere Lohntransparenzgesetze
Deutschland hat die von der EU gesetzte Frist zur Einführung schärferer Regeln für Lohntransparenz verpasst. Stand Montag, dem 10. Juni 2026, verstößt das Land damit weiterhin gegen EU-Recht, das darauf abzielt, die geschlechtsspezifische Lohnlücke zu schließen. Aktuelle Daten zeigen, dass Frauen in Deutschland im Schnitt 15,6 % weniger pro Stunde verdienen als Männer – ein höherer Wert als der EU-Durchschnitt von 11,1 %.
Die neuen EU-Vorgaben verpflichten Arbeitgeber, künftig von sich aus Startgehälter in Stellenausschreibungen offenzulegen. Zudem wird es untersagt, Bewerber:innen nach ihren vorherigen Einkünften zu fragen – eine Praxis, die oft zur Fortschreibung von Lohnungleichheiten beiträgt. Laut den Regelungen erhalten Beschäftigte außerdem das Recht, durchschnittliche Gehaltsangaben für vergleichbare Positionen, aufgeschlüsselt nach Geschlecht, anzufordern.
Das bestehende Entgelttransparenzgesetz, das Deutschland 2017 eingeführt hat, erlaubt Arbeitnehmer:innen zwar, Gehaltsvergleiche innerhalb ihres Unternehmens zu beantragen. Doch nur wenige machen davon Gebrauch – aus Angst vor negativen Konsequenzen. Die verschärften EU-Maßnahmen gehen weiter: Unternehmen mit 100 oder mehr Beschäftigten müssen künftig regelmäßig über ihre geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschiede berichten.
Die Europäische Kommission könnte nun ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleiten. Zwar hatte das Land ursprünglich bis Juni 2026 Zeit, die Regeln umzusetzen, doch die Einführung verzögert sich nun bis Anfang 2027.
Die Verzögerung bedeutet, dass Arbeitnehmer:innen in Deutschland länger auf stärkeren Schutz durch Lohntransparenz warten müssen. Sobald die Gesetze in Kraft treten, werden Unternehmen verpflichtet sein, Gehaltsdaten offenzulegen und zu verhindern, dass frühere Einkommen die Höhe neuer Jobangebote beeinflussen. Die nächsten Schritte der Europäischen Kommission werden zeigen, ob Deutschland für die versäumte Frist mit Sanktionen rechnen muss.






