05 April 2026, 01:06

Finanzämter jagen Influencer: Warum die Steuerfahndung jetzt digital wird

Eine alte Werbung für die Germania-Feuer-Versicherungsgesellschaft, die ein zentrales Bild einer Frau und Textbeschreibungen der Dienstleistungen der Gesellschaft enthält.

Finanzämter jagen Influencer: Warum die Steuerfahndung jetzt digital wird

Steuerbehörden in ganz Deutschland verschärfen die Kontrolle über Influencer

Die Finanzämter in Deutschland gehen verstärkt gegen Influencer vor, die über soziale Medien Einkünfte erzielen. In Niedersachsen wurde ein spezialisiertes Schulungsprogramm eingeführt, um Prüfer für die Besonderheiten dieser Fälle zu qualifizieren. Der Schritt folgt auf ähnliche Initiativen in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Berlin, die ebenfalls die Überwachung digitaler Verdienstquellen ausbauen – insbesondere bei Verdacht auf Steuerhinterziehung.

Bisher zeigen die Ergebnisse eine gemischte Bilanz: Von 233 in Niedersachsen geprüften Fällen führten 22 zu Nachzahlungen in Höhe von knapp 280.000 Euro. Dennoch räumen Beamte ein, dass die Erfassung von Influencer-Einnahmen komplex bleibt – nicht zuletzt wegen der vielfältigen Einkommensströme und unklarer Zuordnung von Geldern.

Das niedersächsische Schulungsprogramm soll Prüfteams auf die Herausforderungen der Besteuerung von Influencern vorbereiten. Es umfasst praxisnahe Workshops und Fallstudien, um neuen Mitarbeitern die Komplexität digitaler Einkünfte zu vermitteln. Bereits 2017 war eine Sonderermittlungsgruppe eingerichtet worden, die seither 258 Prüfbescheide an "digital aktive Steuerzahler" verschickt hat.

Auch andere Bundesländer ziehen nach: Nordrhein-Westfalen (NRW) wertet derzeit 6.000 Datensätze aus und führt 200 laufende Verfahren. Hamburg plant bis Anfang 2026 die Abwicklung von 140 Prüfungen. Berlin und Baden-Württemberg beobachten ebenfalls Influencer, die Plattformen wie TikTok oder Instagram kommerziell nutzen.

Trotz dieser Bemühungen gibt es keine bundesweite Statistik darüber, wie viele Influencer seit 2017 geprüft wurden. Die niedersächsischen Finanzämter führen etwa keine gesonderten Akten für Influencer oder verfügen über spezialisierte Abteilungen. Stattdessen analysieren Ermittler tausende Datensätze, die von anderen Ländern geteilt werden, und rekonstruieren aus bruchstückhaften Informationen finanzielle Spuren.

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Der Anteil der Prüfungen ohne Beanstandungen liegt bei Influencern in etwa auf dem Niveau anderer Selbstständiger. Doch die Behörden verweisen auf anhaltende Schwierigkeiten, steuerrelevante Details präzise zu erfassen. Die Einkommensquellen sind oft extrem vielfältig, und die Zuordnung von Erträgen zu konkreten Aktivitäten bleibt eine große Hürde.

Die Offensive zur Verbesserung der Steuercompliance bei Influencern wird weiter ausgebaut. Während Niedersachsens Schulungsprogramm die Aufdeckung von Verstößen erleichtern soll, deuten die laufenden Prüfungen in NRW und Hamburg auf eine flächendeckendere Durchsetzung hin. Bisher haben die Maßnahmen bereits Hunderttausende an Steuernachzahlungen eingebracht – doch die Herausforderungen bei der Nachverfolgung digitaler Einkünfte bestehen fort.

AKTUALISIERUNG

NRW's Influencer Crackdown Sparks Nationwide Expansion

The nationwide crackdown on influencer tax evasion traces back to a July 2025 announcement by NRW's LBF. Key developments include:

  • 6,000 datasets from social media platforms are being analysed, revealing €300 million in unreported earnings.
  • Stephanie Thien, LBF NRW director, stated: 'Our focus is on major offenders, not casual content creators.'
  • This initiative triggered similar actions in Niedersachsen, Hamburg, Berlin, and Baden-Württemberg.