Genarín in León: Wie eine nächtliche Trinktradition die Karwoche auf den Kopf stellt
Sebastian FischerGenarín in León: Wie eine nächtliche Trinktradition die Karwoche auf den Kopf stellt
Jedes Jahr in León, Spanien, entfaltet sich am späten Gründonnerstag eine seltsame und lebhafte Tradition. Während die feierlichen Karwoche-Prozessionen langsam enden, versammeln sich Tausende im Stadtzentrum zum Genarín – einer Nacht des ausgiebigen Alkoholkonsums und Straßenfests. Die Veranstaltung ehrt eine lokale Legende und steht dabei im krassen Kontrast zu einer der heiligsten religiösen Perioden Spaniens.
Die Tradition geht auf Genaro Blanco zurück, einen bekannten Bewohner Leóns mit einer Vorliebe für Alkohol. 1929 starb er, nachdem er von einem Müllwagen erfasst worden war, und die Einheimischen begannen, sein Leben auf ungewöhnliche Weise zu gedachten. Jahrzehnte später dreht sich die Nacht noch immer vor allem um Alkohol: Fässer mit hochprozentigen Spirituosen werden frei durch die Menge gereicht.
Die Feierlichkeiten beginnen nur wenige Stunden nach den ernsten Prozessionen der Stadt. Viele Teilnehmer wechseln direkt vom Trinken zur Encuentro, einem der symbolträchtigsten Momente der Karwoche. Die Prozession zieht durch dieselben Straßen wie am Tag zuvor und macht unterwegs Halt für Gedichte und Darbietungen.
Einer der markantesten Höhepunkte ist La Moncha, ein Wagen, auf dem eine Frau bei Fackelschein aus einer riesigen Zeitung vorliest. Damit wird die Auffindung von Blancos Leichnam nachgestellt – ein theatralischer Akzent in dieser Nacht. Trotz des respektlosen Timings hat sich der Genarín zu einem Großereignis entwickelt und zieht Besucher aus ganz Nordspanien an.
Bis zum Morgengrauen werden Tausende Liter Alkohol konsumiert. Die Party dauert bis in die frühen Stunden und macht die Nacht zu einer der bewegtesten – und umstrittensten – des Jahres in León.
Genaríns Mischung aus Trauer, Feierlaune und öffentlichem Trinkgelage hebt es von anderen spanischen Bräuchen ab. Die Veranstaltung wächst Jahr für Jahr, lockt mehr Besucher an und sorgt zugleich für Diskussionen unter den Einheimischen. Der Kontrast zur feierlichen Karwoche sichert ihr sowohl Kontroversen als auch eine unübersehbare Präsenz.






