Gleichstellungsbeauftragte unter Beschuss: Hass und Kürzungen gefährden ihre Arbeit
Philipp FischerGleichstellungsbeauftragte unter Beschuss: Hass und Kürzungen gefährden ihre Arbeit
Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt – von Vandalismus bis hin zu persönlichen Drohungen. Die Zunahme der Angriffe fällt mit einer breiteren Gegenbewegung gegen Frauen- und queere Rechte zusammen. Viele kommunale Programme kämpfen mittlerweile mit Kürzungen und offenem Widerstand.
Aktuelle Vorfälle verdeutlichen die eskalierende Aggression: In Osnabrück wurde eine orangefarbene Bank – Teil der UN-Kampagne Orange the World – mit Graffiti beschmiert. In Wiesbaden wurde eine solche Bank gestohlen, während in Annweiler Unbekannte den Aufdruck der Bank verfälschten, um Gewalt gegen Frauen zu propagieren.
Das Meldezentrum Antifeminismus verzeichnete allein 2024 558 Vorfälle – im Schnitt fast zehn pro Woche. Eine Gleichstellungsbeauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, rechtsextreme Aktivist:innen seien nach einem öffentlichen Statement zu einem umstrittenen Thema vor ihrer Haustür aufgetaucht.
Finanzielle Engpässe verschärfen die Krise zusätzlich. Viele Kommunen haben die Budgets für Gleichstellungsarbeit drastisch gekürzt. Die bundesweite Initiative Demokratie leben! – die unter anderem das Meldezentrum Antifeminismus fördert – könnte ihre Mittel vollständig verlieren.
Auf dem BAG-Kongress in Lübeck gaben die Teilnehmenden unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“ Strategien gegen die organisierte politische Bewegung vor, die sich gegen Frauen- und queere Rechte richtet.
Eine Umfrage aus dem Jahr 2026 offenbart das Ausmaß des Problems: 63 Prozent der Gleichstellungsbeauftragten berichteten von antifeministischen Angriffen auf ihre Arbeit, 40 Prozent erlebten in den vergangenen zwei Jahren sogar mehrere Vorfälle.
Die Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte und -programme spiegeln einen größeren Trend antifeministischer Mobilisierung wider. Angesichts gekürzter Mittel und zunehmender Feindseligkeit steht die Zukunft lokaler Initiativen auf dem Spiel. Der BAG-Kongress sendet zwar ein Signal des Widerstands – doch die Herausforderungen bleiben gewaltig.






