Inflation in Deutschland steigt 2024 stärker als erwartet auf 4,6 Prozent
Sebastian FischerInflation in Deutschland steigt 2024 stärker als erwartet auf 4,6 Prozent
Deutschland bereitet sich auf einen erneuten deutlichen Anstieg der Inflation bis Ende 2024 vor. Experten prognostizieren nun eine Rate von 4,6 Prozent im Dezember – deutlich höher als bisher erwartet. Der Anstieg folgt auf die zunehmenden Spannungen im Persischen Golf nach einem jüngsten US-Angriff auf den Iran, der die Energiepreise erneut in die Höhe getrieben hat.
Die aktuelle Inflationswarnung stammt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), das seine Prognosen auf Grundlage der Entwicklungen während der Energiekrise 2022 angepasst hat. Damals hatte die Teuerung mit über 10 Prozent ihren Höhepunkt erreicht, der Jahresdurchschnitt lag bei 6,9 Prozent. Das IW erwartet nun einen ähnlichen Aufwärtstrend der Preise, angetrieben durch geopolitische Instabilität.
Die Bundesregierung hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Belastung für Haushalte und Unternehmen zu mildern. Seit dem 1. Mai gilt ein temporärer Kraftstoffrabatt, der die Steuern auf Diesel und Benzin für zwei Monate um etwa 17 Cent pro Liter senkt. Zudem dürfen Arbeitgeber ihren Beschäftigten eine steuerfreie Inflationsausgleichsprämie von bis zu 1.000 Euro zahlen – eine Reaktion auf die eskalierenden Konflikte zwischen den USA, Israel und dem Iran.
Ökonomen warnen, dass Deutschland nun vor einem schwierigen Spagat steht. Schwaches Wirtschaftswachstum in Kombination mit steigender Inflation könnte die Europäische Zentralbank (EZB) vor eine harte Entscheidung stellen: Soll sie die Zinsen erhöhen, um die Preise zu bremsen, oder abwarten, um die Erholung nicht zu gefährden? Das IW schließt eine Intervention der EZB – ähnlich wie 2022 – nicht aus.
Markus Demary, Geldpolitik-Experte des IW, fordert die Regierung auf, mehr für einkommensschwache Haushalte zu tun. Er schlägt vor, das Pendlerpauschale zu erhöhen, um die steigenden Kosten abzufedern. Gleichzeitig hat das Institut auch seine Prognose für 2026 nach oben korrigiert: Die durchschnittliche Inflation wird nun mit 3,5 Prozent erwartet – statt der noch vor wenigen Monaten prognostizierten 2,7 Prozent.
Die Inflationsaussichten für Deutschland haben sich eingetrübt, da geopolitische Spannungen die Energiepreise weiter in die Höhe treiben. Da die Preise bis Ende 2024 voraussichtlich weiter steigen werden, müssen Haushalte und Politiker sich auf anhaltenden finanziellen Druck einstellen. Die kurzfristigen Entlastungsmaßnahmen der Regierung mögen zwar etwas Linderung bringen, doch werden langfristige Lösungen nötig sein, um die wirtschaftlichen Folgen in den Griff zu bekommen.






