Lola-Verleihung 2024: Triumphe, Pannen und politische Eklats beim Deutschen Filmpreis
Lotta BrandtLola-Verleihung 2024: Triumphe, Pannen und politische Eklats beim Deutschen Filmpreis
Die Deutschen Filmpreise – die Lolas – feierten in diesem Jahr das Kino, sorgten aber auch für Kontroversen. Die Verleihung war geprägt von emotionalen Reden, technischen Pannen und scharfer Kritik an politischen Persönlichkeiten.
Masha Schilinskis In die Sonne sehen dominierte den Abend mit zehn Auszeichnungen, darunter der Hauptpreis. Doch hinter den Kulissen und in peinlichen Momenten auf der Bühne wurde dem Film die Show teilweise gestohlen.
Der Abend begann mit prominenten Preisträgern: Masha Schilinskis In die Sonne sehen räumte mit zehn Lolas ab, darunter für den Besten Film. Auch Produzent Ingo Fliess durfte jubeln – sein Film Gelbe Briefe gewann zwei Auszeichnungen und festigte damit seinen früheren Erfolg mit dem Goldenen Bären bei der Berlinale.
Doch die Stimmung kippte schnell. Regisseur Leander Haussmann, der den Preis für den Besten Hauptdarsteller überreichte, hielt eine wirre, unzusammenhängende Rede, in der er wiederholt den Namen von İlker Çatak falsch aussprach – das Publikum reagierte mit peinlichem Schweigen. Später sorgte ein Technikausfall für eine unfreiwillige Pause und verzögerte die Vergabe der letzten Preise.
Als die Veranstaltung fortgesetzt wurde, präsentierte Wolfram Weimer die letzte Auszeichnung, als wäre nichts geschehen. Hinter den Kulissen beschwerte er sich später beim Akademiepräsidenten über die Auftritte anderer Redner.
Der Ehrenpreisträger Wim Wenders nutzte seinen Moment, um über sich wandelnde moralische Maßstäbe im Film nachzudenken. Er gab zu, dass er heute keine Nacktszene mit einer 13-Jährigen mehr drehen würde, und forderte offene Debatten über die ethische Entwicklung des Kinos.
Auch politische Spannungen kamen auf. Produzent Ingo Fliess kritisierte Kulturstaatsministerin Claudia Roth für ihr Vorgehen beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Andere Gäste warfen Roth vor, sie habe versucht, die Berlinale-Jurypräsidentin Tricia Tuttle absetzen zu wollen. Die Verleihung wurde so zur Bühne für größere Debatten über künstlerische Freiheit, Machtverhältnisse in der Branche und den Generationswechsel im Film.
Im Laufe des Abends zeigte sich immer wieder der Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt. Reden und Vorfälle unterstrichen die Rolle „alter weißer Männer“ im Film, in der Politik und der Gesellschaft – mal als Zielscheibe von Satire, mal als Symbol veralteter Machtstrukturen.
Die Lolas endeten mit In die Sonne sehen als großem Gewinner, doch die Verleihung wird für mehr in Erinnerung bleiben als nur für die Preise. Technische Pannen, peinliche Reden und politische Streitigkeiten überschatten Teile des Abends. Die Veranstaltung hinterlässt klare Fragen zur Zukunft des deutschen Kinos – und wer sie mitgestalten darf.






