Machtkampf bei DocMorris: Aktionäre fordern neuen Chef für digitale Wende
Sebastian FischerMachtkampf bei DocMorris: Aktionäre fordern neuen Chef für digitale Wende
Bei der Versandapotheke DocMorris bahnt sich ein Machtkampf an: Aktionäre drängen auf die Ablösung von Vorstandschef Walter Oberhänsli und wollen stattdessen Dr. Fritz Oesterle, den ehemaligen Chef des Pharmagroßhändlers Celesio, an die Spitze bringen. Der Vorstoß erfolgt zu einer Zeit, in der der europäische Versandapothekenmarkt tiefgreifende Veränderungen durchläuft.
Oesterle hatte Celesio ein Jahrzehnt lang geführt, war jedoch 2011 abberufen worden. Seine Strategie basierte auf der Liberalisierung des Apothekenbesitzes – ein Vorhaben, das der Europäische Gerichtshof 2009 blockierte. Das Urteil bestätigte das Verbot externer Investoren als Apothekenbesitzer und zwang ihn, zentrale Expansionspläne aufzugeben.
Sein Unterstützer, die Beteiligungsgesellschaft Ceplion, strebt nun an, DocMorris zu einer führenden "Gesundheitsplattform auf Knopfdruck" auszubauen. Doch Oesterles Erfahrung liegt vor allem im klassischen Großhandel und stationären Apothekenketten – nicht im digitalen Gesundheitsbereich. Unterdessen wechselt sein ehemaliger Lobbyist, Max Müller, in den Aufsichtsrat des Konkurrenten Redcare.
Die Umbrüche in der Branche nehmen Fahrt auf: Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, testet bereits Video-Arztsprechstunden und bereitet den Online-Verkauf verschreibungspflichtiger Medikamente vor. Trotz der Turbulenzen wird der aktuelle DocMorris-Chef Walter Hess in den Forderungen der Aktionäre nicht namentlich genannt.
Der Vorstoß für Oesterle deutet auf einen strategischen Kurswechsel bei DocMorris hin. Sollte der Führungswechsel gelingen, könnte dies die digitale Ausrichtung und Expansionsstrategie des Unternehmens neu prägen. Gleichzeitig wird sich zeigen, ob traditionelle Einzelhandelserfahrung in einem zunehmend digital geprägten Apothekenmarkt noch Wachstum garantieren kann.






