03 April 2026, 01:08

Mainz und Wiesbaden streiten um den Namen eines Karnevalswagens

Ein großer goldener und roter Wagen, geschmückt mit Blumen und anderen Ziergegenständen bei einem Karnevalsumzug, mit einem Gebäude, Strommasten mit Drähten und einem bewölkten Himmel im Hintergrund.

Mainz und Wiesbaden streiten um den Namen eines Karnevalswagens

Ein Rechtsstreit ist zwischen zwei deutschen Karnevalsvereinen über den Namen eines Motivwagens entbrannt. Hannsgeorg Schönig, Präsident des Mainzer Karnevalsvereins, hat Beschwerde gegen die Verwendung des markenrechtlich geschützten Begriffs Zugen(d)te durch Wiesbaden eingelegt. Der Name ist seit Langem Teil der Wiesbadener Umzugstradition, steht nun aber im Mittelpunkt eines Markenkonflikts.

Der betreffende Wagen ist seit etwa 20 Jahren ohne Probleme im Wiesbadener Karneval dabei. Traditionell bildet er – ähnlich wie Mainzs Zugente am Rosenmontag – den Abschluss des Umzugs. Doch der Name Zugen(d)te, ein Wortspiel mit Zugente, ist rechtlich durch Mainz geschützt.

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Die Wiesbadener Karnevalsgruppe Dacho hat nun Änderungen angekündigt, um rechtliche Schritte zu vermeiden. Der Wagen wird für die Veranstaltung am kommenden Sonntag in Gans am End (Gans am Ende) umbenannt. Zudem haben die Veranstalter sämtliche Beschriftungen an der Figur entfernt, um weitere Auseinandersetzungen zu verhindern.

Optisch ähnelt der Wiesbadener Wagen kaum der Mainzer Version. Statt einer Ente zeigt er einen Müllwerker in Warnweste mit einem Besen. Seine weißen Federn lassen ihn zudem eher wie eine Gans als wie Mainzs gelbe Zugente wirken.

Beide Städte haben eine lange Tradition, ihre Umzüge mit humorvollen, oft frechen Motivwagen zu beschließen. Mainzs Käuterschwanz – ein riesiges phallisches Symbol – geht auf das 19. Jahrhundert als Karnevalsinsider zurück. Wiesbadens Großer Schwanz (Großer Schwanz) entstand in den 1950er-Jahren als satirischer Seitenhieb auf die Politik. 2023 wurde er jedoch in Alter Schwede umbenannt, um sich an Gesetze gegen sexualisierte Darstellungen im öffentlichen Raum anzupassen und Fördergelder zu sichern.

Durch die Umbenennung und das Entfernen der Schriftzüge kann der Wiesbadener Umzug nun ohne juristische Komplikationen stattfinden. Der Streit zeigt, wie alteingesessene Karnevalstraditionen mit modernen Marken- und Anstandsregeln kollidieren können. Vorerst wird der Wagen seine Rolle im Umzug behalten – allerdings unter neuem Namen und Design.

AKTUALISIERUNG

A century-old legal battle over brand protection in Wiesbaden sheds new light on the current carnival name dispute

The current trademark conflict between Mainz and Wiesbaden echoes a 1903 legal clash in the same city. Historical records show that French champagne producer Moët & Chandon sued German competitor Söhnlein & Co. over misleading advertising. The case, which demanded 1 million Mark in damages, was ultimately dismissed by Wiesbaden's civil court. This precedent highlights how local trademark enforcement has long shaped commercial disputes, offering context for modern cultural conflicts like the Karneval float naming rights.