Medienkongress warnt: Journalismus steht vor digitalem Umbruch oder Niedergang
Sebastian FischerMedienkongress warnt: Journalismus steht vor digitalem Umbruch oder Niedergang
Deutschlands Medienlenker trafen sich diese Woche, um auf dem zweiten Kongress Die Zukunft der deutschen Medien des Madsack-Verlags über die Zukunft des Journalismus zu diskutieren. Die Veranstaltung vereinte Führungskräfte, Verleger und den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck, der vor wachsenden Gefahren für die demokratischen Freiheiten warnte. Angesichts sinkender Print-Erlöse und beschleunigter digitaler Umbrüche betonten Branchenvertreter die Dringlichkeit mutiger Reformen und neuer Geschäftsmodelle.
Beim Kongress kritisierte Madsack-Chef Thomas Düffert die aktuelle Medienpolitik als Bremsklotz für die digitale Transformation der Branche. Er argumentierte, veraltete Regularien behinderten Innovationen in einer Zeit, in der Print allein qualitativ hochwertigen Journalismus nicht mehr finanzieren könne. Düffert hob zudem die Bedeutung starker, vertrauenswürdiger Medienmarken in einer zunehmend von KI-generierten Inhalten geprägten Landschaft hervor.
Die Debatte erfasste auch redaktionelle Strategien. Düffert stellte Madsacks Fokus auf investigativen Lokaljournalismus dem Ansatz der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung (OAZ) gegenüber, die sich als führende Stimme Ostdeutschlands positioniert. OAZ-Chefredakteur Dorian Baganz bekräftigte dieses Ziel im März 2026 und erklärte, die Zeitung strebe die Vorherrschaft auf dem regionalen Medienmarkt an. Verleger Holger Friedrich verteidigte die Rolle der OAZ als Lückenfüller für nationale Blätter im Osten, warnte jedoch zugleich vor einer "aktivistischen Dynamik" unter jungen Journalisten, die differenzierte Berichterstattung verdrängen könnte.
Gaucks Grundsatzrede setzte einen ernsten Ton und rief Medienvertreter auf, die Demokratie mit "Entschlossenheit, Fantasie und Mut" zu verteidigen. Er beschrieb reale und akute Bedrohungen für die Freiheit und mahnte, sich nicht in Gleichgültigkeit zu flüchten. Die Diskussionen machten deutlich: Zusammenarbeit und nachhaltige Digitalstrategien sind nun überlebenswichtig.
Der Kongress endete mit einer klaren Botschaft: Die deutschen Medien müssen sich schnell anpassen – oder riskieren, den Anschluss zu verlieren. Verlage wie Madsack und die OAZ treiben neue Einnahmequellen und eine stärkere Regionalausrichtung voran, während branchenweite Solidarität als Schlüssel gilt, um die Umwälzungen zu meistern. Angesichts wachsender wirtschaftlicher Zwänge und technologischer Veränderungen wird sich in den nächsten Schritten entscheiden, wie der Journalismus in einer unsicheren Zukunft bestehen kann.