Neue juristische Wende im Fall Julian Reichelt: NDR kämpft gegen Zensur
Sebastian FischerNeue juristische Wende im Fall Julian Reichelt: NDR kämpft gegen Zensur
Der Rechtsstreit um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt spitzt sich erneut zu. Ein deutscher Sender kämpft nun darum, zensierte Passagen seiner Berichterstattung wiederherzustellen, während sich Zeugen auf öffentliche Aussagen vorbereiten. Der Fall, der mit den Ermittlungen des Spiegel im Jahr 2022 begann, bleibt weiterhin ungelöst – begleitet von Behauptungen, dass Frauen, die sich äußerten, berufliche Nachteile erlitten.
2023 strahlte die ARD in der Sendung Reschke Fernsehen einen Beitrag aus, in dem Reichelt beschuldigt wurde, Kolleginnen zu sexuellen Beziehungen gedrängt zu haben. Kurze Zeit später beantragte er eine einstweilige Verfügung, woraufhin ein Gericht zentrale Abschnitte der Sendung blockierte. Der Beitrag ist seitdem aus der ARD-Mediathek verschwunden, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist.
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der hinter dem Beitrag steht, geht nun juristisch gegen die Zensur vor. Geplant ist die Vernehmung von Zeugen, darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer Beziehung genötigt. Eine weitere schwere Anschuldigung stammt von einer Zeugin, die sich bisher noch nicht öffentlich geäußert hat.
Reichelt weist die Vorwürfe seit jeher zurück. Er stellt sich als Opfer einer politisch motivierten Kampagne dar. Gleichzeitig sorgt die langsame Arbeitsweise des deutschen Justizsystems – insbesondere in Presserechtsfällen – dafür, dass die Angelegenheit weiterhin ungelöst bleibt.
Für den Medienkonzern Axel Springer könnten die anstehenden Anhörungen unangenehm werden. Berichten zufolge mussten einige Frauen, die sich geäußert hatten, berufliche Konsequenzen fürchten – was Fragen zur Unternehmenskultur beim Verlag aufwirft.
Der Fall hängt nun davon ab, ob es dem NDR gelingt, die ursprüngliche Berichterstattung wiederherzustellen. Zeugenaussagen könnten neue Details ans Licht bringen, doch die Verzögerungen im deutschen Rechtssystem könnten den Prozess in die Länge ziehen. Das Ergebnis wird entscheiden, ob die vollständigen Vorwürfe gegen Reichelt öffentlich verhandelt werden.






