Offener Netzzugang revolutioniert Deutschlands Glasfaserausbau mit 300 Unternehmen im Rennen
Tobias NeumannOffener Netzzugang revolutioniert Deutschlands Glasfaserausbau mit 300 Unternehmen im Rennen
Deutschlands Vorstoß für schnelleres Internet gewinnt an Fahrt – fast 300 Unternehmen bauen bundesweit Glasfasernetze aus. Der offene Netzzugang, bei dem mehrere Anbieter dieselbe Infrastruktur nutzen können, gilt inzwischen als entscheidend, um das volle Potenzial der neuen Verbindungen auszuschöpfen. Branchenführer und Regulierungsbehörden diskutieren derzeit, wie fairer Wettbewerb sichergestellt und die Kosten im Rahmen gehalten werden können.
Die Bewegung hin zum offenen Netzzugang hat in den letzten Monaten an Dynamik gewonnen. Steven Blount von EWE Tel räumte ein, dass die gemeinsame Nutzung von Netzen zwar höhere Anfangsinvestitionen erfordern könnte. Dennoch argumentierte er, dies sei der einzige Weg, um die Kapazitäten der neu verlegten Glasfaserkabel voll auszunutzen.
Der Entwurf des Telekommunikationsgesetzes (TKG) der Bundesregierung sieht nun eine Regelung vor, die in Gebieten mit nur einem Glasfasernetz Verhandlungszwang vorsieht. Ziel ist es, Monopole zu verhindern und den Wettbewerb zu fördern. Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur (BNetzA), fordert strengere Kontrollen in Fällen, in denen sich offene Netzzugangsvereinbarungen nicht durchsetzen.
Um die Verbindung zwischen verschiedenen Netzen zu vereinfachen, hat die Branche eine standardisierte Schnittstelle namens S/PRI eingeführt. Diese technische Lösung verringert den Aufwand, wenn Anbieter die Infrastruktur wechseln oder gemeinsam nutzen. Gleichzeitig setzen Unternehmen den offenen Netzzugang bereits in die Praxis um: Plusnet wird bald eigene Dienste über die Netze von OXG anbieten. Deutsche GigaNetz hat zudem Partnerschaften mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof und Westconnect geschlossen.
Die Nachfrage der Kunden treibt einen Großteil des Wandels voran. Frank Rosenberger von 1&1 Versatel berichtete, dass 83 Prozent ihrer Kunden die Freiheit wünschen, zwischen verschiedenen Internetanbietern wählen zu können. Selbst kleinere Betreiber ziehen mit: Die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge planen, ihr Glasfasernetz bis 2030 oder 2031 für Dritte zu öffnen.
Der Druck in Richtung offenen Netzzugangs verändert den deutschen Glasfasermarkt grundlegend. Mit neuen Vorschriften, technischen Standards und wachsenden Kundenerwartungen dürften in den kommenden Jahren immer mehr Netze geöffnet werden. Das könnte zu schnelleren Ausbauraten, niedrigeren Kosten und einer größeren Auswahl für Internetnutzer im ganzen Land führen.






