Steffi: Wie die DDR-Puppe zum Kultobjekt und Opfer der Wiedervereinigung wurde
Philipp FischerModepuppe Steffi: Die Barbie des Sozialismus wird 60 - Steffi: Wie die DDR-Puppe zum Kultobjekt und Opfer der Wiedervereinigung wurde
1966 entstand Steffi – entworfen von der Designerin Margot Schmied, die die Puppe nach ihrer eigenen Tochter benannte. Ihr Aussehen spiegelte die Modetrends der 1960er wider: mit dickem Eyeliner, grünlich-blauem Lidschatten und einer reiferen, damenhaften Silhouette im Vergleich zu Barbie. Ein besonderes Merkmal war ihr hochwertiges Synthetikhaar, das sich nicht verfilzte – ein Detail, das sie von der Konkurrenz abhob.
Hergestellt wurde Steffi im staatseigenen VEB Puppenfabrik Biggi in Waltershausen. Bemerkenswert war auch ihre frühe rassische Vielfalt: Anders als Barbie gab es sie in verschiedenen Hauttönen, was eine inklusivere Repräsentation bot. Mit einem Preis von 16 DDR-Mark galt sie zwar als teuer, blieb aber dennoch sehr beliebt.
Steffi entwickelte sich zu einem wichtigen Exportprodukt und wurde oft an ausländische Würdenträger verschenkt. Die Verkäufe brachten der DDR dringend benötigte Devisen ein. Doch nach der Wiedervereinigung 1990 verlegte sich die Produktion nach Sonneberg unter den Dach von VEB Playmobil. Angesichts der harten Konkurrenz durch westliche Puppen wie Barbie brachen die Absatzzahlen ein. 1992 schlossen die Fabriken, und bis Mitte der 1990er Jahre verschwand Steffi aus den Regalen.
Heute sind Vintage-Steffi-Puppen begehrte Sammlerstücke. Je nach Zustand und Originalzubehör erzielen sie Preise zwischen 20 und 200 Euro. Während einige DDR-Spielzeuge eine Nischen-Renaissance erlebten, steht Steffis Niedergang exemplarisch für die Schwierigkeiten der Thüringer Spielwarenindustrie, sich auf dem vereinten Markt zu behaupten.
Ihr Erbe lebt in Sammlerkreisen weiter, auch wenn ihre kommerzielle Ära seit Jahrzehnten vorbei ist. Einst ein Symbol für ostdeutsche Handwerkskunst und Innovation, verkörpert sie heute ein vergangenes Kapitel der Spielzeuggeschichte. Ihre Geschichte erzählt von der Kreativität ihrer Zeit – und von den Herausforderungen des wirtschaftlichen Umbruchs nach der Wiedervereinigung.