Thailands Tiger-Tourismus: Zwischen Profit und Tierleid in Pattaya
Ein tiefes, dröhnendes Brüllen hallt durch den Tiger Park von Pattaya, wo Touristen Schlange stehen, um Fotos mit gefangenen Tigern zu machen. Doch hinter den Kulissen wachsen die Sorgen um das Wohl der Tiere und die dunklen Seiten von Thailands Tiger-Tourismus. Während die Population wild lebender Tiger im Land langsam wieder anwächst, bleibt das Schicksal der in solchen Parks gehaltenen Tiere fragwürdig.
Besucher des Tiger Parks in Pattaya dürfen die Tiere streicheln und sich für Nahaufnahmen mit ihnen fotografieren lassen. Eine chinesische Familie besuchte kürzlich die Anlage – der Vater gab später zu, gemischte Gefühle bei dem Erlebnis gehabt zu haben. Unter den ausgestellten Tigern ist auch Nivea, eine einjährige Tigerin, die seit ihrer Geburt darauf trainiert wird, ständigen menschlichen Kontakt zu ertragen.
Die Tiere vegetieren in engen Gehegen dahin und sind ununterbrochen den Besuchermassen ausgesetzt – Bedingungen, die mit ihrem natürlichen Lebensraum kaum etwas gemein haben. Ermittlungen deuten darauf hin, dass einige der gefangenen Tiger irgendwann in den illegalen Handel mit Tigerprodukten gelangen. Tierschutzorganisationen kritisieren seit Langem solche Parks und werfen ihnen vor, Profit über das Wohl der Tiere zu stellen.
Die Methoden, mit denen die Tiger zahm gemacht werden, sind oft brutal und beginnen bereits im Welpenalter. Die Risiken gehen jedoch über bloße Grausamkeit hinaus: 2023 starben in zwei Einrichtungen im Norden Thailands 72 Tiger nach Ausbrüchen von Staupe und bakteriellen Infektionen. Diese Vorfälle haben die Forderungen nach strengeren Kontrollen der Tigerhaltungen verschärft.
Unterdessen verzeichnet die wild lebende Tigerpopulation Thailands vorsichtige Fortschritte. Etwa 200 Tiere durchstreifen mittlerweile geschützte Gebiete wie den Mae-Wong-Nationalpark – ein Anstieg gegenüber den zuletzt gezählten 189 Exemplaren. In den vergangenen fünf Jahren haben die Behörden die Mittel für den Habitatschutz aufgestockt, die Anti-Wilderer-Patrouillen verstärkt und 2024 ein Verbot des Handels mit Tigerprodukten durchgesetzt. Nichtregierungsorganisationen bieten zudem Schulungen zur Biosicherheit für Tierpfleger an und werben mit Kampagnen für ethische Artenschutzprojekte als Alternative für Touristen.
Der Kontrast zwischen den sich erholenden wilden Tigern Thailands und denen in Gefangenschaft könnte kaum größer sein. Während Naturschutzmaßnahmen in den Nationalreservaten Wirkung zeigen, bleibt das Schicksal der gefangenen Tiger weiter umstritten. Mit verschärften Regularien und Aufklärungskampagnen stellt sich nun die Frage, ob diese Schritte nachhaltige Verbesserungen für die Tiere bringen werden.






