Tim Mälzer als "Artist in Residence": Wie der Sternkoch die Uni St. Gallen aufmischt
Philipp FischerTim Mälzer als "Artist in Residence": Wie der Sternkoch die Uni St. Gallen aufmischt
Sternkoch Tim Mälzer hat seine Tätigkeit als "Artist in Residence" an der Universität St. Gallen aufgenommen – eine Idee, der er zunächst skeptisch gegenüberstand, die er mittlerweile aber als "brillant" bezeichnet. Schon am ersten Tag fühlte er sich im Square, dem modernen Lernzentrum der Hochschule, willkommen und wohl.
Sein erster Workshop trägt den provokanten Titel "Können vegane Apéritif-Kreationen Michelin-Stern-Niveau erreichen?" – ein Format, das seine praktische Herangehensweise widerspiegelt: Hier verschmelzen kulinarisches Know-how mit akademischem Diskurs.
Während seines Aufenthalts in St. Gallen wird Mälzer zudem eine hitzige Debatte über Unternehmertum mit Professor Oliver Gassmann führen. Er erwartet kontroverse Standpunkte, hofft aber auf einen Austausch, bei dem die Teilnehmer einander aufmerksam zuhören und gezielt hinterfragen. Streit sieht er als eine der besten Methoden, um Ideen voranzubringen – auch wenn er die heutige Debattenkultur als oft schlecht geführt kritisiert.
Abseits des Hörsaals bezieht Mälzer seine Erfahrungen aus der Führung des Bullerei, seines Restaurants in Hamburg, mit ein. Er erinnert sich, dass es nach der Eröffnung ganze sechs Monate dauerte, bis das Team einen reibungslosen Serviceablauf hinbekam. Die Gastronomie verlange ständige Präsenz und Multitasking-Fähigkeiten – Kompetenzen, die er nun auch in seine akademische Rolle einbringt.
Gleichzeitig möchte der Koch den Studierenden ihren Privilegienbewusstsein schärfen: Denn nicht jeder habe die Chance, an einer Eliteuni wie St. Gallen zu studieren. Für ihn selbst bietet die Residenz die Möglichkeit, praxisnahe Wirtschaftserkenntnisse mit dem universitären Alltag zu verknüpfen.
Mälzers Gastdozentur verbindet kulinarische Workshops mit scharfsinnigen Diskussionen über Gründertum. Sein Anliegen ist es, die Studierenden zum kritischen Hinterfragen anzuregen und sie intellektuell zu fordern. Das Programm ist Teil der Bemühungen der Universität, Theorie und Praxis durch ungewöhnliche Kooperationen zu verbinden.






