Tim Raue über seine brutale Zeit bei den "36 Boys" in Berlin-Kreuzberg
Philipp FischerTim Raue über seine brutale Zeit bei den "36 Boys" in Berlin-Kreuzberg
Tim Raue gehörte einst zu den „36 Boys“, einer Straßenbande in Berlin-Kreuzberg. Zwischen seinem 14. und 16. Lebensjahr erlebte er die brutale Realität des Gang-Lebens am eigenen Leib. Heute blickt er auf die Gewalt zurück, die er einst akzeptierte – und die Narben, die sie hinterließ.
Die „36 Boys“ entstanden aus dem Verlangen nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Die Mitglieder gerieten häufig mit rivalisierenden Banden aneinander, oft in Kämpfen, in denen sie zahlenmäßig unterlegen waren. Raue, der als einziger Deutscher in der Gruppe, erinnert sich an den ständigen Druck, sich beweisen zu müssen.
Die Aufnahme in die Bande verlangte eine gewaltsame Initiation: Neue Mitglieder mussten sich drei Minuten lang gegen zwei bestehende Mitglieder durchsetzen. Raue hielt die volle Zeit nicht durch, weigerte sich aber zu fliehen – selbst als er verprügelt wurde. Eine Narbe von diesem Kampf ist bis heute sichtbar.
In den Auseinandersetzungen gesteht Raue, dass er oft flüchten wollte. Doch ein Rückzug hätte den Verlust des Respekts bedeutet. Die Angst, als schwach dazustehen, trieb ihn an, weiterzukämpfen – egal welchen Preis er dafür zahlte.
Jahre später lehnt Raue Gewalt entschlossen ab. Doch er versteht die Denkweise, die ihn einst antrieb – eine Welt, in der Loyalität und Überleben wichtiger waren als die Risiken.
Raues Zeit bei den „36 Boys“ dauerte nur zwei Jahre, doch ihre Spuren blieben. Der Initiationskampf hinterließ eine sichtbare Narbe, während die Kultur der Bande sein Verständnis von Angst und Zugehörigkeit prägte. Heute spricht er offen über eine Vergangenheit, die er nicht mehr gutheißt.






