Unternehmenssoftware-Anbieter kämpft mit Wachstumsschwäche und Aktiencrash nach problematischer Übernahme
Philipp FischerUnternehmenssoftware-Anbieter kämpft mit Wachstumsschwäche und Aktiencrash nach problematischer Übernahme
Ein großer Anbieter von Unternehmenssoftware hat gemischte Finanzzahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Während das Kerngeschäft mit Großkunden kräftig wuchs, belasteten Herausforderungen in anderen Bereichen und eine problematische Übernahme die Gesamtperformance. Auch der Aktienkurs brach stark ein und verlor in den letzten zwölf Monaten fast 65 % an Wert.
Das Unternehmenssegment entwickelte sich positiv: Die jährlichen wiederkehrenden Erträge (Annual Recurring Revenue, ARR) stiegen um 11 % auf 241 Millionen Euro. Ein Rekorddeal in den USA trieb das Wachstum im Kerngeschäft um 19 % nach oben. Die Umsätze im traditionellen Mittelstandssegment (SMB) gingen jedoch leicht zurück.
Betriebliche Rückschläge verschärften die Lage. Die 2024 erfolgte Übernahme des britischen Softwareunternehmens 1E verläuft nur schleppend, begleitet von Störungen und dem Abgang wichtiger Mitarbeiter. Dadurch rechnet das Unternehmen im ersten Quartal 2026 mit einem einmaligen Kundenverlust von etwa 8 Millionen Euro.
Die Aussichten bleiben verhalten. Die Abwanderungsrate (Churn Rate) kletterte im vierten Quartal auf 16,4 % und wird voraussichtlich bis Mitte 2026 auf hohem Niveau bleiben. Für 2026 prognostiziert das Unternehmen ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von lediglich 0 % bis 3 % sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 43 %.
Trotz dieser Schwierigkeiten setzt die Unternehmensführung auf Innovation. Zu den Neuentwicklungen zählen tiefere Integrationen mit Microsoft Intune sowie eine Partnerschaft mit Cybus für Anwendungen im Bereich Augmented Reality. Zudem wechselt das Unternehmen vom MDAX in den SDAX, was indexnachbildende Fonds zu Anpassungen ihrer Portfolios zwingen wird.
Der Aktienkurs erreichte kürzlich mit 4,48 Euro ein 52-Wochen-Tief – ein Zeichen für die Skepsis der Anleger. Angesichts der verhaltenen Wachstumsprognosen und der anhaltenden Probleme mit der 1E-Übernahme wird das kommende Jahr zeigen, ob es dem Unternehmen gelingt, die Performance zu stabilisieren. Die Innovationsoffensive und strategischen Partnerschaften könnten dabei helfen, einen Teil der Gegenwinde auszugleichen.






