Warum wir heute mehr Meinungen haben als je zuvor – und warum das absurd ist
Tobias NeumannWarum wir heute mehr Meinungen haben als je zuvor – und warum das absurd ist
Meinungen scheinen heutzutage überall präsent zu sein. Von Talkshows bis hin zu Online-Foren – zu fast jedem erdenklichen Thema werden Standpunkte ausgetauscht. Den Anschein hat es, als würde der Vorrat daran niemals versiegen.
Innerhalb nur einer Woche hörte der Autor vehemente Ansichten zum Nahostkonflikt, zu Windrädern und sogar zu Wahlrechten für Katzen. Auch Ananas auf Pizza, vegane Torwarthandschuhe und achtsames Atmen sorgten für Diskussionen. Letzteres ließ den Autor kalt – scherzhaft schlug er vor, jede Person auf drei Meinungen pro Tag zu beschränken; alles darüber hinaus bedürfe der Genehmigung eines Rebhuhns.
Sogar die Natur könnte ihre eigenen Urteile fällen. Der Autor malt sich aus, wie ein Kaktus über modische Fehltritte stöhnt oder Mücken beißende Kritiken hinterlassen. Selbst das Mittelmeer mischt mit, indem es Urlauber nach ihrem Verhalten sortiert und Quallen aussendet, um diejenigen zu stechen, die laute Musik abspielen.
Der Vorschlag ist offenkundig mit Augenzwinkern gemeint. Doch er wirft ein Schlaglicht auf einen wachsenden Trend: Meinungen für sich zu behalten, gilt heute fast schon als Tabu. Die Vorstellung, dass die Natur über Menschen richtet, verleiht dem endlosen Strom an Standpunkten eine humorvolle Note. Zwar ist der Vorschlag des Autors spielerisch gemeint, doch spiegelt er die überwältigende Flut an Ansichten im modernen Leben wider. Und die Menschen teilen sie weiterhin ungeniert – ohne Anzeichen einer Bremse.
