Berliner Ausbildungsabgabe: Zwang oder Chance für mehr Lehrstellen?
Philipp FischerBerliner Ausbildungsabgabe: Zwang oder Chance für mehr Lehrstellen?
Berlin führt Ausbildungsabgabe ein – Unternehmen müssen mehr Lehrlinge einstellen oder zahlen
Berlin hat eine neue Ausbildungsabgabe eingeführt, um Unternehmen zu mehr Lehrstellen zu verpflichten. Ab 2028 müssen Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten mindestens 4,6 Prozent ihrer Belegschaft ausbilden – andernfalls fließen Zahlungen in einen zentralen Fonds. Die Maßnahme löst unter Startups und kleinen Unternehmen eine Debatte über Gerechtigkeit und Umsetzbarkeit aus.
Das Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedete kürzlich das Gesetz, das Unternehmen bestraft, die die Ausbildungsquote nicht erfüllen. Wer die Vorgabe verfehlt, muss in einen Topf einzahlen, aus dem jährlich schätzungsweise 75 Millionen Euro generiert werden sollen. Die aktuelle Ausbildungsquote der Stadt liegt bei 3,1 Prozent und damit unter dem Bundesdurchschnitt von 4,6 Prozent.
Viele Startups kritisieren, dass die Regelung nicht zu ihren Geschäftsmodellen passe. Moritz Kreppel, Gründer von Urban Sports Club, wirft Berlin vor, Startups ungerechtfertigt für Stellen in den Fokus zu nehmen, die sich nicht für klassische Lehrberufe eignen. Agnieszka Walorska vom Fintech-Unternehmen Mika sieht das eigentliche Problem darin, dass junge Menschen zunehmend weniger Interesse an traditioneller Ausbildung hätten – und nicht darin, dass Unternehmen keine Plätze anböten.
Einige Gründer betrachten die Abgabe eher als Belastung denn als Lösung. Marius Meiners von Peec AI räumt ein, dass sein Team schlicht keine Kapazitäten für Lehrlinge habe und lieber die Strafe zahlen würde. Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, kritisiert die Politik als falsches Signal: Sein Unternehmen setze auf Automatisierung und modernes Lernen statt auf klassische Ausbildungswege.
Von der neuen Regelung ausgenommen sind Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitenden – das betrifft etwa 75 Prozent der Berliner Unternehmen. Ab 2028 müssen größere Firmen entweder mehr ausbilden oder finanziell beitragen. Zwar soll die Maßnahme die Zahl der Lehrlinge steigern, doch Kritiker zweifeln, ob sie die eigentlichen Ursachen des Fachkräftemangels angeht.






