EZB warnt vor Rekord-Ölpreisen und drohender Eurozone-Stagnation bis 2026
Lotta BrandtEZB warnt vor Rekord-Ölpreisen und drohender Eurozone-Stagnation bis 2026
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gewarnt, dass die steigenden Ölpreise aufgrund anhaltender geopolitischer Spannungen nahezu das schlimmstmögliche Niveau erreichen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde skizzierte einen dreistufigen Plan, um mögliche Energieschocks im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt zu bewältigen. Unterdessen deuten die jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) darauf hin, dass das globale Wachstum weiter abflachen wird, während die Preise weiterhin steigen.
Laut den aktuellen Ölpreisdaten der EZB liegen die Kosten deutlich über den früheren Prognosen und treiben die Eurozone in Richtung wirtschaftlicher Stagnation. Die Ölpreise stiegen zu Beginn des Jahres 2026 stark an und erreichten im März über 120 US-Dollar pro Barrel, bevor sie sich bei etwa 107 US-Dollar einpendelten. Diese Werte übertreffen die EZB-Szenarien für eine "kurze Krise" und eine "längere Krise", die von Spitzenwerten zwischen 95 und 120 US-Dollar gefolgt von einem Rückgang ausgingen. Zum Vergleich: Im Juni 2024 lag der Durchschnittspreis noch bei nur 83 US-Dollar.
Der Preisanstieg folgt auf monatelange Störungen im globalen Schiffsverkehr, nachdem Angriffe der Huthi-Rebellen Ende 2023 die Hälfte des Verkehrs durch den Suezkanal umgeleitet hatten. Trotz militärischer Schlaganfälle der USA und diplomatischer Bemühungen erholten sich die Handelsrouten nie vollständig, was den Druck auf die Energiemärkte erhöhte.
Lagardes Strategie sieht vor, kurzfristige Energieschocks zunächst zu ignorieren, da geldpolitische Maßnahmen zu spät kämen, um wirksam zu sein. Sollte die Inflation das EZB-Ziel vorübergehend übersteigen, umfasst der zweite Schritt behutsame Anpassungen der Geldpolitik. Eine dritte, entschlossenere Reaktion würde erst dann ausgelöst, wenn die Inflation dauerhaft von den Vorgaben der Bank abweicht.
Im ungünstigsten Szenario der EZB würde die Wirtschaft der Eurozone bis Ende 2026 stagnieren, bevor sie sich bis 2028 langsam erholt. Die Gesamtinflation könnte auf 4 Prozent steigen, würde aber schnell wieder sinken, ohne die Kerninflation nachhaltig zu beeinflussen. Die anstehenden IWF-Prognosen bestätigen diese düstere Einschätzung und sagen weltweit höhere Preise sowie ein schwächeres Wachstum voraus. Das negative Szenario der EZB entspricht inzwischen weitgehend den aktuellen Ölpreistrends, was Bedenken hinsichtlich einer anhaltenden wirtschaftlichen Schwächephase verstärkt. Ohne eine spürbare Entspannung auf den Energiemärkten oder eine Stabilisierung der geopolitischen Lage steht der Eurozone eine nur zögerliche Erholung bevor. Mit ihrem dreigliedrigen Ansatz versucht die EZB, kurzfristige Schocks mit der langfristigen Inflationskontrolle in Einklang zu bringen.






