Deutschland startet Fragebögen zur Wehrtauglichkeit – erste Schritte in Sachsen-Anhalt
Philipp FischerMilitärische Einberufungsberater: 'Eltern' Sorge wächst - Deutschland startet Fragebögen zur Wehrtauglichkeit – erste Schritte in Sachsen-Anhalt
Deutschland hat damit begonnen, Fragebögen an junge Erwachsene zu verschicken – Teil eines neuen Systems zur Erfassung der Wehrtauglichkeit. Die ersten Schreiben gingen am 15. Januar in Sachsen-Anhalt raus, bis Ende des Monats folgten weitere. Zwar ist die Wehrpflicht für Männer zwischen 18 und 60 Jahren rechtlich weiterhin möglich, doch seit Jahren wird sie nicht mehr durchgesetzt.
Die überarbeitete Gesetzgebung sieht vor, dass alle 18-Jährigen – Männer wie Frauen – einen Fragebogen zur Eignung für den Militärdienst erhalten. Männer sind gesetzlich verpflichtet, ihn auszufüllen, für Frauen besteht keine Verpflichtung. Die Änderung erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Rekrutierungsschwierigkeiten bei der Bundeswehr.
Falls sich zu wenige Freiwillige melden, hat die Regierungskoalition angekündigt, eine "bedarfsorientierte Wehrpflicht" einführen zu können. Derzeit besteht zwar keine allgemeine Dienstpflicht, die Option bleibt aber bestehen.
Unterdessen steigen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen seit Januar die Bewerbungen für den freiwilligen Wehrdienst. Gleichzeitig nehmen die Anträge auf Kriegsdienstverweigerung deutlich zu. 2025 wurden 2.830 Anträge genehmigt, und bereits bis Ende Februar dieses Jahres waren es 1.035.
In der Bevölkerung herrscht weiterhin Unbehagen gegenüber militärischen Themen, besonders in den älteren Generationen. Viele Eltern und Großeltern tun sich schwer mit den Vorstellungen von Krieg und Wehrpflicht. Jens Lattke, Berater der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, betont, dass politische Debatten über das Militär oft starke emotionale Reaktionen auslösen.
Aktuelle Spannungen, wie der Angriff auf den Iran, haben zudem zu vermehrten Anfragen von Reservisten geführt. Offizielle Aufzeichnungen bestätigen jedoch nicht, dass sich Reservisten nach diesem Ereignis vermehrt an die Kirche gewandt hätten, um über mögliche Einsätze zu sprechen.
Das neue Fragebogensystem markiert einen Wandel in Deutschlands Umgang mit der Landesverteidigung. Angesichts von Rekrutierungsengpässen und steigenden Zahlen bei der Kriegsdienstverweigerung versucht die Regierung, freiwilligen Dienst und die Option einer Wehrpflicht in Balance zu halten. Bisher wurden jedoch keine unmittelbaren Änderungen bei der Dienstpflicht angekündigt.






