Digitale sexualisierte Gewalt: Fast jeder zweite Jugendliche in Deutschland betroffen
Lotta BrandtDigitale sexualisierte Gewalt: Fast jeder zweite Jugendliche in Deutschland betroffen
Digitale sexualisierte Gewalt betrifft fast die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland
Aktuelle Studien zufolge ist fast jeder zweite junge Mensch in Deutschland von digitaler sexualisierter Gewalt betroffen. Das Thema rückte jüngst stärker in den öffentlichen Fokus, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes ihren Ex-Mann, Christian Ulmen, öffentlich beschuldigt hatte. Nun fordern Expert:innen wirksamere Präventionsmaßnahmen in Schulen und Familien, um das wachsende Problem einzudämmen.
Eine Untersuchung des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit ergab, dass nahezu die Hälfte der Jugendlichen online mit sexualisierter Gewalt konfrontiert wird. Dazu zählt auch Cybergrooming, bei dem Täter:innen gezielt Minderjährige über Chatplattformen ansprechen – fast ein Viertel der unter 18-Jährigen gab 2025 an, davon betroffen zu sein. Viele Vorfälle ereignen sich zudem in Freundeskreisen oder Klassenchats, was sie schwerer erkennbar macht.
In Thüringen wurde ein dreijähriges Pilotprojekt gestartet, das das Problem durch Präventionsworkshops angehen sollte. Yasmina Ramdani leitete dort Sessions an Schulen in der gesamten Region und erreichte rund 5.000 Schüler:innen. Trotz des Erfolgs wurde das Programm vorerst ausgestzt, doch es gibt Pläne, es nach den Sommerferien 2026 wiederaufzunehmen.
Lehrkräfte erkennen zwar die Dringlichkeit, digitale Gewalt zu bekämpfen, fühlen sich aber oft überfordert. Fachleute betonen, dass auch Eltern eine Rolle spielen müssten – etwa durch Gespräche über Grenzen und eine Reflexion des eigenen Verhaltens. Frühzeitige Prävention sei zudem weitaus kostengünstiger als die Bewältigung der langfristigen Folgen solcher Gewalt.
Offizielle Zahlen, wie viele deutsche Schulen seit Ende des Pilotprojekts ähnliche Workshops eingeführt haben, gibt es nicht. Doch der Bedarf an Aufklärung bleibt dringend, da die Fallzahlen weiter steigen.
Das Thüringer Pilotprojekt zeigte zwar vielversprechende Ansätze, doch seine Zukunft ist ungewiss. Schulen und Familien werden aufgefordert, proaktiv gegen digitale sexualisierte Gewalt vorzugehen. Ohne flächendeckende Maßnahmen wird die Zahl der betroffenen Jugendlichen voraussichtlich weiter ansteigen.






