Jacques Tilly trotzt Moskaus Klage mit neuem Putin-Wagen für den Rosenmontag 2026
Philipp FischerFeierwütige, zieht warm an! An Rosenmontag regnet es nicht nur Süßes - Jacques Tilly trotzt Moskaus Klage mit neuem Putin-Wagen für den Rosenmontag 2026
Ein Moskauer Gericht verhandelt derzeit einen Fall gegen Jacques Tilly, Deutschlands provokativsten Karnevalswagen-Gestalter. Die von russischen Behörden angestrengte Klage wirft ihm vor, durch seine satirischen Kreationen staatliche Institutionen – darunter Präsident Wladimir Putin – beleidigt zu haben. Trotz des juristischen Drucks legt Tilly nach: Ein neuer, Putin-thematisierter Wagen soll am Rosenmontag, dem 16. Februar 2026, beim Düsseldorfer Umzug seine Premiere feiern.
Die Vorwürfe beziehen sich auf frühere Entwürfe, in denen Tilly Putin und das russische Militär verspottete – was zu Anklagen wegen Verleumdung staatlicher Organe und Verletzung religiöser Gefühle führte. Bei einer Verurteilung drohen ihm Geldstrafen oder sogar bis zu zehn Jahre Haft. Die nächste Verhandlung ist für den 26. Februar 2026 angesetzt, doch Tilly bleibt trotzig und erscheint nicht zum Prozess.
Seine rechtlichen Probleme begannen vor Monaten, nachdem seine Karnevalswagen Putin in satirisch überzeichneter, wenig schmeichelhafter Weise darstellten. Russische Staatsanwälte argumentieren, die Entwürfe hätten eine Grenze überschritten, indem sie den Präsidenten, die Armee und sogar religiöse Symbole lächerlich machten. Der nun in Moskau laufende Prozess wird von Tilly als politisches Schauverfahren abgetan – ein "Schauprozess" eines Regimes, das er als totalitär bezeichnet.
Statt einzuknicken, präsentierte der Gestalter kürzlich einen neuen Wagen für den Düsseldorfer Umzug 2026: zu sehen ist Putin, der einen winzigen Narren mit einer Lanze attackiert – der sich jedoch wehrt. Die Bildsprache spielt direkt auf den laufenden Prozess an und deutet ihn als Kampf zwischen Autoritarismus und freier Meinungsäußerung. Tilly ist seit langem dafür bekannt, Grenzen auszutesten; sein diesjähriger Entwurf richtet sich nun gegen seine eigene juristische Verfolgung.
Der Rosenmontagszug, bei dem Tillys Werk zu sehen sein wird, wird trotz Schnee- und Regenvorhersagen wieder große Menschenmengen anziehen. Für viele in den Karnevalshochburgen Deutschlands, etwa im traditionellen Münsterland, bleibt das Ereignis ein Höhepunkt des Jahres. Selbst diejenigen, die – wie ein inzwischen in Norddeutschland lebender Kommentator – die Feiern längst satt haben, empfinden mitunter Wehmut angesichts des Spektakels.
Ein kürzlich veröffentlichter "Liebesbrief" eines Kollegen an den Karneval könnte sogar Skeptiker umstimmen: Gefeiert wird die Mischung aus Satire, Chaos und Gemeinschaft. Tillys frühere Entwürfe, online einsehbar, zeigen derweil eine Karriere, die auf furchtloser Verspottung der Mächtigen aufgebaut ist. Seine Abwesenheit im Moskauer Gerichtssaal signalisiert, dass er nicht bereit ist, seinen Kurs zu ändern.
Die Verhandlung wird am 26. Februar 2026 fortgesetzt – mit möglicherweise schweren Konsequenzen für Tilly im Falle einer Verurteilung. Sein neuester Wagen, der nur Tage vor dem Termin debütiert, sorgt dafür, dass der Konflikt im öffentlichen Bewusstsein bleibt. Vorerst bleibt der Gestalter, was er immer war: ein Provokateur – auf Düsseldorfs Straßen wie in den Fluren eines Moskauer Gerichts.
Moscow Court Condemns Tilly to 8.5 Years in Absentia
A Moscow court has sentenced German artist Jacques Tilly to eight years and six months in prison in absentia. The verdict includes:
- A fine of approximately 2,000 euros and a four-year work ban
- Conviction for 'insulting state authorities' and spreading 'false information' about the Russian military
- No extradition risk from Germany remains for Tilly






