Merz löst mit umstrittenem Syrien-Rückkehrplan politische Empörung aus
Philipp FischerMerz löst mit umstrittenem Syrien-Rückkehrplan politische Empörung aus
Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit der Ankündigung, 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer könnten innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren, eine Kontroverse ausgelöst. Die Aussage fiel während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa und stieß umgehend auf scharfe Kritik – sowohl von politischen Gegnern als auch aus den Reihen der Koalitionspartner.
Bis Dienstag begann Merz, sich von der Zahl zu distanzieren, und präzisierte, dass das Ziel auf Äußerungen al-Sharaas zurückginge und keine eigene politische Zusage darstelle.
Die umstrittene Aussage war bei einem Presseauftritt gefallen, bei dem Merz an der Seite al-Sharaas stand. Zunächst hatte der Kanzler den Eindruck erweckt, es handele sich um einen verbindlichen Drei-Jahres-Plan für großangelegte Rückführungen. Später korrigierte eine offizielle Stellungnahme die Formulierung und bezeichnete die 80-Prozent-Marke als al-Sharaas Wunschvorstellung – nicht als Garantie der Bundesregierung.
Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. SPD-Vizechefin Anke Rehlinger warnte vor starren Rückkehrezielen, während der SPD-Politiker Ralf Stegner das 80-Prozent-Ziel angesichts der anhaltenden Sicherheitsrisiken in Syrien als unrealistisch zurückwies. Die Grünen-Abgeordnete Luise Amtsberg warf Merz vor, unter deutsch-syrischen Gemeinschaften unnötige Verunsicherung zu schüren – viele von ihnen haben seit ihrer Flucht vor dem Bürgerkrieg vor 15 Jahren in Deutschland ein neues Leben aufgebaut.
Al-Sharaa selbst widersprach Merz' Darstellung und betonte, er habe keine feste 80-Prozent-Vorgabe gemacht. Stattdessen unterstrich er, dass Rückkehrer freiwillig und nur bei massiven westlichen Investitionen in Syriens Wirtschaft und Infrastruktur möglich seien. Aktuell leben rund 950.000 Menschen mit syrischem Pass in Deutschland, davon haben seit 2016 etwa 250.000 die Staatsbürgerschaft erhalten.
Angesichts des wachsenden Drucks ruderte Merz zurück. Bis Dienstag erklärte er, die 80 Prozent seien al-Sharaas Vision – und keine verbindliche deutsche Politik. Doch die Kurskorrektur konnte die Kritiker kaum besänftigen: Die ursprüngliche Aussage habe bereits für Verwirrung und Besorgnis unter den syrischen Communities in Deutschland gesorgt.
Der Vorfall offenbart die Spaltungen innerhalb von Merz' Koalition in der Migrationspolitik. Zwar hat sich der Kanzler von der 80-Prozent-Marke distanziert, doch die Debatte zeigt, wie komplex das Thema syrische Rückführungen ist – etwa in Hinblick auf Sicherheitslage und wirtschaftliche Abhängigkeiten. Mit fast einer Million Syrerinnen und Syrern in Deutschland werden künftige Diskussionen über Repatriierung voraussichtlich weiter umstritten bleiben.






