Warum viele Angestellte nur noch zur Büroschau erscheinen – und was sie wirklich wollen
Sebastian FischerWarum viele Angestellte nur noch zur Büroschau erscheinen – und was sie wirklich wollen
Immer mehr deutsche Unternehmen drängen ihre Mitarbeiter nach Jahren flexiblen Arbeitens zurück ins Büro. Konzerne wie SAP, Otto und Volkswagen haben seit der Pandemie ihre Präsenzregeln verschärft. Doch viele Angestellte geben offen zu: Sie kommen nur zur Schau – nicht, weil sie im Büro besser arbeiten könnten.
Vodafone hat kürzlich strenge Präsenzquoten eingeführt und die Belegschaft damit an ihre Schreibtische zurückbeordert. Der Schritt spiegelt einen breiteren Trend wider, da Unternehmen die während der Corona-Pandemie eingeführten Homeoffice-Regelungen wieder zurücknehmen. Umfragen deuten jedoch darauf hin, dass diese Änderungen auf Widerstand stoßen.
Eine Studie des Jobportals Indeed ergab, dass Büropflicht allein keine höhere Produktivität garantiert. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten (56,6 %) räumte ein, nur vor Ort zu erscheinen, um beschäftigt zu wirken – obwohl sie von zu Hause aus schneller arbeiten könnten. Gleichzeitig geben 27,7 % der Remote-Arbeiter an, ihren Online-Status zu manipulieren, um aktiv zu erscheinen, und 25,4 % bleiben länger, nur weil ihr Vorgesetzter noch nicht gegangen ist.
Die Rückkehr ins Büro löst zudem Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen aus. Fast die Hälfte (47,3 %) wünscht sich kürzere Anfahrtswege oder Zuschüsse für den Arbeitsweg, um die Büropflicht erträglicher zu machen. Und 66,2 % wären sogar bereit, fünf Prozent Gehaltseinbußen hinzunehmen – wenn ihre Leistung ausschließlich nach Ergebnissen und nicht nach Anwesenheitszeiten bewertet würde.
Die Unternehmen verschärfen zwar die Bürovorgaben, doch die Belegschaften wehren sich. Viele bevorzugen nach wie vor das Homeoffice mit der Begründung, es spare Zeit und steigere die Effizienz. Der Konflikt um Präsenzregeln wird voraussichtlich anhalten, während Firmen zwischen Kontrolle und Mitarbeiterzufriedenheit abwägen müssen.






