Weißes Ghost Bike in Zwintschöna mahnt nach tödlichem Radunfall an gefährlicher Landesstraße
Philipp FischerWeißes Ghost Bike in Zwintschöna mahnt nach tödlichem Radunfall an gefährlicher Landesstraße
Ein weiß gestrichenes Ghost Bike steht nun am Friedrichsbad in Zwintschöna als stummer Mahnmal. Es erinnert an einen 64-jährigen Radfahrer, der im Juni vergangenen Jahres bei einer Kollision mit einem Auto ums Leben kam. Die Installation dient zugleich als Protest gegen das, was Aktivisten als gefährliche Straßenverhältnisse bezeichnen.
Das Fahrrad wurde dort am 1. April vom ADFC Halle-Saalekreis aufgestellt. Es handelt sich um das erste bekannte Ghost Bike in Sachsen-Anhalt und reiht sich ein in eine weltweite Bewegung für mehr Sicherheit im Radverkehr.
Der tödliche Unfall ereignete sich am 20. Juni 2025 an der Kreuzung Reideburger Straße und Am Friedrichsbad. Der Radfahrer starb, nachdem er auf der Landesstraße 167 von einem Auto erfasst wurde – einer Strecke, auf der Tempo 100 erlaubt ist. Der ADFC fordert seitdem eine sofortige Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h an dieser Stelle.
Die Gruppe wirft dem Landesbetrieb Straßenbau Sachsen-Anhalt (LSBB) Vorwürfe wegen Fahrlässigkeit vor. Nach Angaben des ADFC habe die Behörde es versäumt, Radwege an Landesstraßen anzulegen, und setze Radfahrer so dem schnellen Verkehr schutzlos aus. Langfristig verlangt der Verband einen eigenständigen Radweg entlang der Landesstraße 167, um Fahrräder und Kraftfahrzeuge voneinander zu trennen.
Ghost Bikes – weiß gestrichene Fahrräder – werden weltweit an Unfallorten mit tödlichem Ausgang aufgestellt, um an die Opfer zu erinnern und auf Missstände hinzuweisen. Die Aktion des ADFC steht im Einklang mit dessen Vision Zero: einem Straßennetz ohne Tote oder Schwerverletzte. Die Installation in Zwintschöna ist bisher das einzige dokumentierte Ghost Bike in Sachsen-Anhalt.
Das Mahnmal bleibt als Gedenkstätte und Appell für Veränderungen bestehen. Der ADFC setzt die Behörden weiterhin unter Druck, um Tempolimits zu senken und die Infrastruktur sicherer zu gestalten. Ohne Kurswechsel, warnt der Verband, bleibe das Risiko für Radfahrer auf Hochgeschwindigkeitsstraßen wie der Landesstraße 167 weiter bestehen.






