250 Frauen fordern radikale Reformen gegen männliche Gewalt in Deutschland
Tobias Neumann250 Frauen fordern radikale Reformen gegen männliche Gewalt in Deutschland
Ein Bündnis aus 250 prominenten Frauen hat einen detaillierten Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, um männliche Gewalt in Deutschland zu bekämpfen. Zu der Gruppe gehören Politikerinnen, Entertainerinnen, Aktivistinnen und Künstlerinnen, die sich gemeinsam für dringende Rechtsreformen einsetzen. Ihre Forderungen konzentrieren sich auf strengere Gesetze zu Einvernehmlichkeit, digitaler Gewalt und die Anerkennung von Femizid als eigenständiges Straftatbestand.
Die Vorschläge des Bündnisses umfassen die Einführung eines "Ja-heißt-Ja"-Modells – auch bekannt als affirmative Konsens – in das Sexualstrafrecht. Zudem fordern sie, Femizid im deutschen Strafgesetzbuch als eigenen Straftatbestand zu verankern. Ein weiterer zentraler Punkt ist ein digitales Schutzgesetz, das sicherstellt, dass schädliche Inhalte schnell entfernt und Täter identifiziert werden.
Nicht einvernehmliche, sexualisierte Deepfake-Inhalte sollen nach dem Plan unter Strafe gestellt werden. Die Gruppe verlangt außerdem ein vollständiges Verbot von KI-gestützten "Nudify"-Apps, die Menschen auf Fotos ohne deren Zustimmung digital entkleiden.
Die Bundesregierung hat bereits auf ähnliche Forderungen reagiert. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte Pläne für einen Gesetzentwurf an, der digitale Gewalt bekämpfen soll. Der Entwurf, der nächste Woche im Kabinett beraten werden soll, sieht vor, die Erstellung und Verbreitung pornografischer Deepfakes unter Strafe zu stellen – mit Haftstrafen von bis zu zwei Jahren. Der Schritt folgt dem Collien-Fernandes-Skandal im März 2026 und entspricht den EU-Vorgaben, bildbasierte sexualisierte Gewalt bis 2027 zu ahnden.
Zu den Mitgliedern des Bündnisses zählen SPD-Vorsitzende Bärbel Bas, die Grünen-Co-Vorsitzende Franziska Brantner, Fernsehmoderatorin Carolin Kebekus, Schauspielerin Veronica Ferres, Musikerin Nina Chuba und Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Ihr gemeinsames Engagement unterstreicht den wachsenden Druck für rechtliche Änderungen, um Frauen besser vor Gewalt – sowohl online als auch offline – zu schützen.
Der Regierungsentwurf stellt einen ersten Schritt zur Bekämpfung digitaler Gewalt dar, doch die weiteren Forderungen des Bündnisses bleiben in der Diskussion. Sollten die vorgeschlagenen Gesetze umgesetzt werden, würden sie verschärfte Strafen für sexualisierte Gewalt einführen, die Regeln zur Einvernehmlichkeit präzisieren und Femizid als eigenständigen Straftatbestand anerkennen. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie weit diese Reformen im Gesetzgebungsverfahren vorankommen.






