Gedenkfeier in Halle eskaliert: Russische Fahnen spalten Befreiungsjubiläum
Philipp FischerGedenkfeier in Halle eskaliert: Russische Fahnen spalten Befreiungsjubiläum
Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) eskaliert in politischen Streit
Die diese Woche stattfindende Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) verlief alles andere als harmonisch. Die von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und der halleschen Linken organisierte Feier wurde von Auseinandersetzungen um politische Symbole und die historische Erinnerung überschattet. Auslöser war das Erscheinen einer Gruppe mit russischen Fahnen und Abzeichen.
Die Gedenkveranstaltung fand auf dem Südfriedhof in Halle statt, wo 977 sowjetische Bürgerinnen und Bürger ihre letzte Ruhe fanden. Obwohl die Stadt 1945 von der US-amerikanischen 104. Infanterie-Division befreit wurde, würdigte die Feier auch die Rolle der Roten Armee im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland. Unter den Teilnehmenden war auch die stellvertretende Oberbürgermeisterin, Dr. Judith Marquardt, die gemeinsam mit anderen Kränze und Blumen am Ehrenhain für die deutschen Widerstandskämpfer niederlegte.
Kritik entzündete sich jedoch, als Mitglieder der „Halleschen Bewegung“ mit russischen Fahnen auftauchten. Gegner warfen der Gruppe vor, Verbindungen zur rechtsextremen AfD zu unterhalten und indirekt den aktuellen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Lukas Wanke von der VVN-BdA betonte, dass die Anerkennung der historischen Opfer der Roten Armee keinesfalls die heutige Aggression rechtfertige. Gleichzeitig warnte er, der Kampf der Widerstandskämpfer sei noch nicht beendet – es gelte, wachsam gegen alle Formen des Faschismus zu bleiben.
Eric Stehr, ein weiterer Redner, lehnte die Idee einer neutralen Haltung gegenüber Extremismus entschieden ab. Gleichgültigkeit gegenüber Faschismus – ob historisch oder modern – ebne diesem nur den Weg zurück, argumentierte er. Während die Veranstalter eigentlich eine Besinnung auf die Befreiung vor 81 Jahren anstrebt hatten, sahen sie sich stattdessen mit neuen politischen Gräben konfrontiert.
Die Feier endete mit Appellen, das Prinzip „Nie wieder!“ kompromisslos hochzuhalten. Zwar wurden Blumen für diejenigen niedergelegt, die sich dem Faschismus widersetzten – doch die Präsenz russischer Symbole warf bei vielen die Frage auf, wo die Grenzen der historischen Erinnerung liegen. Die Debatte beschränkt sich dabei längst nicht mehr auf Halle: Ähnliche Konflikte zeichnen sich bundesweit bei Gedenkveranstaltungen ab.






